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"Gethsemane stützen!"

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Konzerte in der Gethsemanekirche

Eine Übersicht über alle Konzerte in unserer Gemeinde finden Sie hier

Karte

Gethsemanekirche

Gethsemanekirche
Stargarder Str. 77 • 10437 Berlin
(S+U-Bhf. Schönh. Allee, Tram M1, 12)
365-Grad-Rundumblick >>

Die Kirche ist i.d.R. geöffnet Mo-Fr von 11-17 Uhr und von Mai-September zusätzlich Mi+Do von 17-19 Uhr

Gottesdienst sonntags um 11 Uhr
(mit Kindergottesdienst)
Im Anschluss an die Gottesdienste ist das Bücherkaffee geöffnet – zum Schmökern, miteinander ins Gespräch kommen und zum Bücherkaufen.

Gemeindebüro Gethsemanestr. 9
Öffnungszeiten
Mo, Mi, Fr 11–13 Uhr
Tel. (030) 4 45 77 45

Öffnungszeiten des Zentralbüros (alle Amtshandlungen)
Mo 13–16 Uhr
Mi 14–19 Uhr
Do 9–12 & 13–16 Uhr

Tel. (030) 4 45 77 45
Fax: (030) 43 73 43 78
Computerfax (9 –16 Uhr): 43 73 43 79
E-Mail: zentralbuero@ekpn.de

 

Zur Geschichte

Den  Namen Gethsemanekirche bestimmte Kaiser Wilhelm II., er steht für den Garten Gethsemane am Ölberg in Jerusalem. Nach dem Abendmahl ging Christus, der sein nahes Ende voraussah, zum Garten Gethsemane, um zu beten.

Ihn begleiteten nur Petrus, Johannes und Jakobus d. Ä. Während Christus im Gebet mit seiner Todesnot rang, übermannte die ihn begleitenden Jünger immer wieder der Schlaf. Jesu Wort »Wachet und betet« (Matth. 26, 41) bekam 1989 in den Fürbittandachten und Mahnwachen eine neue Aktualität. Sie waren Bestandteil des Kirchensiegels der Gethsemanekirchen­gemeinde, erlebten im Golfkrieg neue Aktualität und sind uns heute, angesichts der immer noch wütenden Kriege auf unserer Erde, wichtig.

Baugeschichte

Die in den Jahren 1891 – 1893 erbaute Gethsemanekirche gilt als das reifste Werk des Kirchenbaumeisters August Friedrich Wilhelm Orth (1828 –1901). Die Gestalt Gethsemanekirche einer neugotischen Backstein-Hallenkirche überrascht im Innern durch einen lichten Zentralraum. Zu diesem Raumeindruck tragen die unterwölbten Emporen, die freistehenden schlanken Bündelpfeiler bei, die ein weitgespanntes Kreuzrippengewölbe tragen.

Nur durch Stahlarmierungen – entlehnt ­­der Industriearchitektur des ausgehenden 19. Jh. – konnten diese Weite überspannt werden. Die Kanzel der als protestantische Predigtkirche errichtete Gethsemanekirche war ursprünglich in der Vierung aufgestellt. Sie wurde jedoch bald aus der den Altar ­verdeckenden Achse herausgenommen ­­und zur Seite gerückt (erwähnt in der Jubiläumsschrift zum 10-jährigen Bestehen der Kirche). 1927 wurde die Kirche zum ersten Mal renoviert und die einstige Sauer-Orgel durch eine neue der Firma Schuke ersetzt. Die Kirche blieb von schweren Kriegsschäden verschont, zerstört wurden aber weitgehend die Buntglasfenster. 1961 wurde der Innenraum neu gestaltet, der Altar aus der Apsis vorgezogen, die beiden Querschiffe vom Hauptschiff getrennt, wodurch separate Räume entstanden. Die Ausmalung der Kirche erfolgte seitdem in weißer Farbe, von der sich die glasierten Terrakottaverkleidungen der Pfeiler und Emporen wirkungsvoll abheben. Seit 1965 schmücken sechs neue Stahl-Messing-Leuchter und ein Kreuz aus Stahlplatten, angefertigt von dem Berliner Kunstschmidt Fritz Kühn den schlichten Altartisch. Ein Osterleuchter, geschaffen von seinem Sohn Achim Kühn, ergänzt diese Ausstattung seit 2004.

 

Kunstwerke

Von den bunten Glasfenstern ist nach dem Krieg wenig übriggeblieben. Man hat die Reste in die drei mittleren Fensteröffnungen der Apsis gesetzt:»die Segnung der Kinder« (links),»der Apostel Paulus« (rechts) und die Zusammensetzung einer Johannes- und einer Christus- (?) Darstellung (Mitte). 1973 wurde die elektro-pneumatische Orgel der Firma Schuke durch ein modernes Werk mit 25 Registern der Dresdner Firma Jehmlich ersetzt. Das erste Altarkreuz soll aus dem Holz einer römischen Rheinbrücke geschnitzt sein. Es wurde von dem Pfarrer der Zionsgemeinde, Dr. Wachsmann, für die neu erbaute Gethsemanekirche gestiftet und hängt heute in der Winterkirche.

Die ursprüngliche Kanzel wurde während der Umbauten Anfang der 60iger Jahre durch eine moderne ersetzt und mittig plaziert. Damit wurde wieder die Sicht auf den Altarraum beeinträchtigt und  sie war bei kirchenmusikalischen Aufführungen, Familiengottesdiensten oder Feiern im Wege. 1979 wurde sie abgetragen und durch ein transportables Holzpult ersetzt.

Im Altarraum steht die Holzplastik „Christus in Gethsemane kniend“. Sie wurde in den zwanziger Jahren von dem Bildhauer Wilhelm Groß (1883 – 1974) als Mahnmal für die Opfer des 1. Weltkrieges geschaffen. Sie zeigt Christus bis zum Äußersten angespannt. Christus kniet und bittet nach der biblischen Überlieferung Gott, dass der Kelch des Leidens an ihm vorübergehen möge. Er fleht um Leben. Andere Kriegerdenkmale dieser Zeit zeigen einen heroischen Christus, dahinfließende Jungfrauen, einen Stahlhelm o.ä. Diese Christusdarstellung ohne Pathos zeigt einen Christus, der um Leben fleht – um das Leben verführter und erschossener Jugendlicher und junger Männer, die im Krieg geblieben sind. Die Gethsemane-Gemeinde hat sich mit dieser Figur nur ­allmählich anfreunden können. So existiert eine Karte von Käthe Kollwitz, die diese Arbeit der Gemeinde ans Herz legt. 1934 wurde die Christusfigur als »entartete Kunst« aus dem Kirchenraum entfernt, glücklicherweise aber nicht zerstört und konnte nach dem Kriege wieder aufgestellt werden.  Nur der ursprüngliche Sockel ist verloren gegangen.

In der Kirche sind immer wieder Kunstwerke auch als längerfristige Leihgaben zu sehen. Zur Zeit sind es vier Gemälde aus dem Bilderzyklus von Gisela Breitling vom Turm der Matthäus-Kirche, Kulturforum an der Philharmonie. Die Stillleben beziehen sich auf im Text des Matthäus-Evangeliums ­häufig genannte Gegenstände, die auch Bestandteil der christlichen Symbolik sind

Fische und Schädel     Kap.7, Verse 9–11

Brot und Wein             Kap.4, Vers 4 & Kap.9, Verse 16/17

Die Lilie                       Kap.6, Verse 28–30

Weintrauben              Kap.7, Vers 16

Bis 1965 stand vor dem Eingang der Kirche eine Kopie der bekannten Statue »Segnender Christus« des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen. Sie wurde entfernt, da sie durch Witterungseinflüsse stark beschädigt war. Die heute an dieser Stelle stehende Christusfigur gehörte ursprünglich zum Bauensemble der Versöhnungskirche in der Bernauer Straße. Das Bauland der Versöhnungskirche musste an den Staat abgegeben werden (Als Gegenleistung erhielt die Evangelische Kirche Bauland für einen Kirchenneubau). Die Kirche wurde 1985 gesprengt, da sie einer perfekten Überwachung der Grenzanlage im Wege stand.

Seit 1994 steht in der Südwestecke der Kirche eine Kopie der Bronzeplastik »Geistkämpfer« von Ernst Barlach. Das Orginal wurde 1928 vor der Kieler Heilig-Geist-Kirche (Universitätskirche, die im zwieten Weltkrieg zerstört wurde) aufgestellt. 1937 entfernte und beschlagnahmte die Reichskammer der bildenden Künste den »Geistkämpfer« als »entartete« Kunst. Dem Kunsthändler Bernhard A. Böhmer gelang es, die Plastik zu erwerben und in vier Teile zersägt auf einem Bauernhof in der Lüneburger Heide zu verstecken. Seit 1954 steht der restaurierte »Geistkämpfer« wieder in Kiel vor der Nikolaikirche.

Ein zweiter Abguß der Bronzeplastik (Der erste Abguß befindet sich in den USA im Minneapolis Institute of Arts.)war noch vor 1989 bei der Gießerei Noack in Auftrag gegeben wurde. Sie sollte auf dem August-Bebel-Platz neben der Staatsoper als Mahnmal an die Bücherverbrennung von 1933 erinnern.

Nach den Geschehnissen im Herbst 1989 entschieden die Denkmalpflege und der Senat von Berlin den „Geistkämpfer“ an der Gethsemanekirche aufzustellen zur Ehrung und Erinnerung an die Demokratie­bewegung in der ehemaligen DDR.

Seit dem 3. Oktober 1990 ist von der Stargarder Straße aus das im Garten der Gethsemanekirche aufgestellt Relief »Widerstand« des Berliner Bildhauers Karl Biedermann zu betrachten. Es zeigt einen Gestürzten, der sich mit den Armen und dem angespannten Oberkörper versucht wieder aufzurichten.

Noch zur Zeit der DDR erhielt der Künstler den Auftrag, ein Kunstwerk zu Ehren der »Kämpfer gegen die Hitlerbarbarei« für die Brüstung der Brücke der Schönhauser Allee über die S-Bahn zu entwerfen. Der Entwurf und auch die weiteren Entwürfe wurden als »nicht kämpferisch genug« abgelehnt. Heute soll das an eine Ziegelmauer montierte Relief an die Tage im Oktober 1989 erinnern.