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Festgottesdienst

Am 20. März 2011 haben wir in der Gethsemanekirche gemeinsam einen Gottesdienst gefeiert, in dem wir dankbar auf die vergangenen zehn Jahre unserer fusionierten „Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord“ zurückblickten und Kraft und Mut für die weiteren vor uns liegenden Aufgaben schöpfen durften.

Wegen der Katastrophe in Japan war das Musikprogramm kurzfristig umgestellt worden. So erklang der Eingangschor der Bach-Kantate "Aus der Tiefen, Herr, rufe ich zu Dir" BWV 131 und die Bach-Kantate "Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht" BWV 105 (Text zum Download), außerdem eine Bearbeitung des Liedes EG 431 als Credo-Lied mit 4-stimmigen Begleitsatz für gemischten Chor (Kirchbaum/Zschunke) und einige neue geistliche Lieder. Die Singschule sang ein "Kyrie" und ein "Agnus Dei" eines zeitgenössischen isländischen Komponisten.

Etwa 80 aktive Sängerinnen und Sänger aus den verschiedenen Chören der Gemeinde und etliche extern Angemeldete waren beteiligt, außerdem 20 Kinder der Singschule. Die Solisten waren: Anja Petersen (Sopran), Volker Arndt (Tenor), Detlef Lehman (Bass). Es spielte ein Kammerorchester der Kirchengemeinde: Konzertmeisterin: Sigrun Pleißner, Continuo-Orgel: Kim Nguyen. An der Orgel sowie Leitung der Singschule: Elisabeth Kaiser. Musikalische Gesamtleitung des Gottesdienstes: Christoph Zschunke.

1+1+1+1 = 1?

10 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord

Die Konfirmanden kennen es gar nicht mehr anders: Sie kom-
men aus vier Gemeindebezirken, werden von zwei Pfarrern
unterwiesen und schließlich alle zusammen in einer Kirche
konfirmiert. Auch für Christenlehrekinder, Kiezfrühstücker,
Junge Gemeinde und Singfreudige von zwei bis 82 ist ein »Kir-
chenwechsel« inzwischen fester Teil des Gemeindelebens.
Verbundgemeinden sind heute eine normale Erscheinung in
Berlin. Vor zehn Jahren war das etwas ganz Neues – und die
Evangelische Gemeinde Prenzlauer Berg-Nord (EKPN) eine
der ersten.

Trotz guter Nachbarschaftsbeziehungen im Kiez begann diese
Gemeindefusion als Vernunftehe. Das Geld war knapp, die
Stellenpläne dünn, die Kirchen renovierungsbedürftig. Schät-
zungen besagten, dass die Zahl der Kirchenmitglieder in den
kommenden Jahren stark abnehmen würde. Um nicht nur
den Mangel zu verwalten, sondern Gemeindeleben weiter
aktiv gestalten zu können, schlug die Kirchenleitung den
Gemeinden im Prenzlauer Berg vor, über einen Zusammen-
schluss nachzudenken.

»Die Zeichen standen auf Fusion« erinnert sich Dieter Wend-
land, damals Vorsitzender des Gemeindekirchenrats Gethse-
mane und Mitglied im geschäftsführenden Ausschuss (GA),
der gegründet wurde, um die Gemeindezusammenführung
zu gestalten. Die paritätisch aus allen vier GKR besetzte
Arbeitsgruppe unter Leitung von Gisbert Mangliers entwic-
kelte in den kommenden eineinhalb Jahren Konzepte für
Kinder- und Jugendarbeit, Stellenplanung und Finanzen. Im
September 1998 begannen die gemeinsamen Christenlehre-
und Konfirmandengruppen. Die Gemeinden waren zu die-
sem Zeitpunkt noch autonom im »Nordverbund« zusammen
gefasst. Nach einer Klausursitzung und mehreren Beratungen
begannen ein Jahr später die Arbeiten am Fusionsvertrag,
welcher nach nur drei Monaten von allen vier vollständigen
Gemeindekirchenräten einstimmig beschlossen wurde. Seit
dem 1. März 2001 besteht offiziell die EKPN, am 25. März
2001 um 11 Uhr wurde in Gethsemane der neue Gemeinde-
verbund mit einem Gottesdienst eingeweiht.

Das wirkliche Zusammenwachsen dauert bis heute an. Bereits
in der Arbeit des geschäftsführenden Ausschusses zeigten
sich Konflikte und Ängste, die Heimat in der Gemeinde zu
verlieren. Was würde mit den einzelnen Kreisen passieren,
den Gottesdiensten in der »eigenen« Kirche, und wo würden
künftig Kinder und Konfirmanden, die Zukunft der Gemeinde,
unterwiesen? Bereits vor der Fusion trat der stellvertretende
Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses zurück, weil
es unterschiedliche Auffassungen über die Befugnisse der
Einzelgemeinden gegenüber der Verbundgemeinde gab. Bis
heute wird immer wieder um Kompromisse gerungen und
gestritten.

So findet sonntags in jeder der vier Gemeinden ein Got-
tesdienst statt, besondere Ereignisse wie Schulanfang oder 
erster Advent werden jedoch zentral gefeiert. Die Konfir-
manden, anfangs zusammen unterrichtet und an verschie-
denen Terminen in verschiedenen Kirchen eingesegnet,
haben sich ebenfalls vor einigen Jahren für eine gemeinsame
Feier entschieden. Mit Konsequenzen, die noch vor zehn
Jahren nicht absehbar waren: Die Konfirmandengruppen sind
inzwischen so groß, dass auch in der Gethsemanekirche der
Platz knapp und jetzt wieder über eine Teilung nachgedacht
wird. Die Gemeinde ist auf 12.000 Mitglieder angewachsen,
weit mehr als vor 10 Jahren vorausgesagt.

War die Fusion deshalb unnötig? Gespräche mit neuen
Gemeindegliedern zeigen, dass es gerade die aktive Gemein-
dearbeit ist, die Menschen überzeugt und einlädt. In der
Kinder- und Jugendarbeit, der Kirchenmusik, für welche die
Gemeinde inzwischen stadtweit bekannt ist, Sozialprojekten
wie Laib und Seele und dem Kiezfrühstück, und neuen spiri-
tuellen Wegen, wie sie im Stadtkloster gelebt werden. Diese
Profilsetzungen und Projekte waren nur möglich, weil vier
Gemeindebezirke gemeinsam gewirkt haben. Unser reiches
Gemeindeleben wäre ohne die Fusion nicht denkbar.
 
Cornelia Kästner