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Leitartikel Gemeindebrief Nr. 54

Jahreslosung 2010:
»Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!«
Johannes 14,1

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Jahreslosung für das gerade begonnene Jahr 2010 läßt sich in der Überschrift zusammenfassen: »Zwischen Erschrecken und Vertrauen.« Und erfahrungsgemäß ist es auch so, dass sich unser Leben in dieser Spannung vollzieht. »Euer Herz erschrecke nicht!« Dieser Satz hat zwar die Struktur einer Aufforderung, ist jedoch als ermutigender Zuspruch gemeint: »Euer Herz muss nicht erschrecken!«

Vor so vielen Dingen im Leben erschrecken wir oder schrecken wir zurück. Wie oft könnten wir jemanden gebrauchen, der uns diese Worte zuspricht: vor Entscheidungen, die schwerwiegende Folgen haben; vor Gefahren, die uns unerwartet umgeben; vor eigenem Versagen, das uns plötzlich bewußt wird; vor der verrinnenden Zeit, die wir gern anhalten würden.

Die Worte der Jahreslosung, die Jesus sagt, sind an Simon Petrus gerichtet, einer, der mindestens zwei Gründe hat, zu erschrecken: vor dem offenbar durch nichts aufzuhaltenden Tod seines Freundes und vor seiner eigenen Schwäche, den Mund zu oft zu weit aufzureißen. Gerade hat er ein etwas vollmundig klingendes und doch wohl ehrlich gemeintes Bekenntnis abgelegt, dass er Jesus überall hin folgen wolle und nicht einmal den Tod fürchte. Und schon konfrontiert ihn Jesus unmittelbar vor den Worten der Jahreslosung: »Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: der Hahn wird nicht krähen, bis du mich drei Mal verleugnet haben wirst.«

Auf diesen persönlichen Schwachpunkt macht er Petrus aufmerksam. Wie er haben auch wir unsere Schwachpunkte und allen Grund, erschrocken zu sein. Wie oft nehmen wir den Mund voller, als es gut wäre; wie oft glauben wir größer, tapferer und besser von uns selbst, als wir es in Wahrheit sind – oder auch ängstlicher, kleiner und schlechter? Wer kennt sich schon selbst und seine eigene Wahrheit? Hätten wir nicht alle mehr oder weniger Grund zu erschrecken, wenn Jesus uns mit unserer persönlichen Wahrheit konfrontiert?

Dennoch erweist sich Jesus Petrus gegenüber als Seelsorger. Jesus weiß, das er kein Einzelfall ist sondern der Normalfall eines Menschen. Und wechselt deshalb in den Plural: »Euer Herz erschrecke nicht!« Er spricht diese seelsorgerlichen Worte in einer Situation, in der er selbst allen Grund zur Angst hat. Schon hat sich der Verräter Judas auf den Weg gemacht, schon ist die letzte Nacht mit seinen Freunden hereingebrochen, seine Gefangennahme steht unmittelbar bevor. Es bleibt nur noch wenig Zeit, um denen, die zu ihm gehören, zum letzten Mal alles ans Herz zu legen, was ihm selbst wichtig ist und bleiben soll.

So ist es immer, wenn Menschen an einer entscheidenden Schwelle ihres Lebens stehen. So richtet auch er seinen Blick zurück und nach vorn. Was gibt es noch zu sagen? Woran zu erinnern? Was soll von mir in Erinnerung bleiben? Jesus beginnt seine Abschiedsworte mit »Euer Herz erschrecke nicht!« Ich gebe gern zu, dass es mir gut tut, zu wissen, dass ihm das offenbar das Allerwichtigste war: Menschen die Angst zu nehmen und sie aus allen Beklemmungen des Herzens herauszuführen.

Denn Angst macht die Herzen eng. Und vielleicht vergewissert er sich ja auch selbst, dass das, was ihm an Schrecklichem bevorsteht, kein Grund ist, zu erschrecken. Denn sein Trost und seine Ermutigung gehen ja noch weiter mit der Aufforderung: »Glaubt an Gott!« Für das wechselvolle Leben in Freud und Leid braucht das Trostwort »Euer Herz erschrecke nicht!« einen guten Grund, und dieser Grund ist er ewige Gott. Es ist schrecklich, erschreckend, wenn das eigene Leben in einer Sackgasse steckt.

Dieser Schrecken kann nur besiegt werden, wenn uns der Ewige begegnet als Tür in ein neues Leben. Deshalb: »Glaubt an Gott, habt Vertrauen!« Es ist schrecklich, erschreckend, wenn alle Zukunft dunkel ist. Dieser Schrecken kann nur besiegt werden, wenn der Ewige wieder neue Hoffnung in unserem Herzen keimen läßt. Deshalb: »Glaubt an Gott, habt Vertrauen!« Es ist schrecklich, erschreckend, wenn ich unausweichlich meine Schuld, meine Abgründe, meine Ohnmacht vor Augen habe. Dieser Schrecken kann nur besiegt werden, wenn der Ewige uns in seine Arme nimmt und uns sagt: »Du bist mein.«

Deshalb: »Glaubt an Gott, habt Vertrauen!«. Von diesem ewigen Gott, dem Grund aller Hoffnung, der offenen Tür ins Leben und der durch nichts zu erschütternden Treue, wissen wir von diesem Mann aus Nazareth. Deshalb heißt es am Ende: »Und glaubt an mich!« Was nichts anderes bedeutet als: Glaubt an den Ewigen, von dem ich euch erzählt habe. Glaubt an den, der in mir jeden Tag bei euch war und ist und bleiben wird. Glaubt an den, der die heillosen Machenschaften auszutreiben und der zu heilen vermag. Glaubt an den, der euch lebenslänglich sucht und begegnet.

Die Jahreslosung schlägt einen Spannungsbogen und verbindet grundlegende Gefühle unseres Menschseins: Angst und Vertrauen. Aus aller Angst, die dem Erschrecken auf dem Fuße folgt, soll auch im neuen Jahr Vertrauen erwachsen. Das ist nötig, um das Leben anzunehmen und zu bewältigen.Vertrauen gewinnen und behalten heißt immer, einen Weg zu gehen. Auch wenn der Mann aus Nazareth seine Jünger verlässt, bleibt er der Weg und die Wahrheit und das Leben. Es ist der Weg des Lebens, so wie wir ihn kennen – ein Weg   zwischen Dunkelheit und Licht, zwischen Erschrecken und Vertrauen, zwischen Verloren- und Gehaltensein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und denen, die zu Ihnen gehören, und uns als unterwegs befindliche und bleibende Gemeinde ein gesegnetes Jahr 2010.

Ihr
Pfr. H.-O. Seidenschnur

 

Leitartikel Gemeindebrief Nr. 53


Liebe Leserin, lieber Leser,

Gibt es das,dass Ereignisse sich umkehren,dass der scheinbar
unabänderliche Lauf der Dinge gestoppt wird,dass Men-
schen,ja sogar ein ganzes Volk eine neue Perspektive bekom-
men? Was wie ein Fluch über ihnen lag,wandelt sich in Segen.
Wo nur Trümmer zu sehen waren,geistige und materielle,
beginnen Menschen etwas Neues zu bauen.Wo früher das
Gefühl der Vergeblichkeit und des Stillstands herrschte,wird
ihnen zugerufen:Ihr werdet gebraucht und ihr sollt ein Segen
sein.Unglaublich und doch wahr.
Mich haben die Worte des Propheten Sacharja,der 500 Jahre
vor Christus  aus dem babylonischen Exil nach Jerusalem
zurückkehrte und den dort Zurückgebliebenen die Verhei-
ßung Gottes zuspricht,sehr bewegt.Sie haben mich erinnert
an das,was wir in dieser Stadt und in unserer Gemeinde im
vergangenen Monat November und in den Wochen davor
gefeiert und bedacht haben:die Befreiung aus einer Situa-
tion,die unabänderlich schien oder anders gesagt:die Gabe
der Freiheit und die Aufgabe,die mit dieser Gabe untrennbar
verbunden ist.
Wenn Gott etwas schenkt und gibt,dann nie nur für unseren
Privatgebrauch.Seine Gaben wollen weiter wirken durch uns
hindurch.Wir sind gewissermaßen Multiplikatoren Gottes,
oder früher sagte man:Werkzeuge in der Hand Gottes.Was ist
das anderes als Jesu Rede vom Licht der Welt und Salz der
Erde.
»Segen« ist jedenfalls das genaue Gegenteil von »Privat«.Mir
scheint,dass die Privatisierung der guten Gaben Gottes eines
der  Hauptübel im Zusammenleben der Menschen ist.Aber die
Gaben Gottes werden uns nur zum Segen,wenn wir bereit
sind,sie zu teilen.Freiheit,Wohlstand,wirtschaftliche Macht,
politischer Einfluss – was hat dieses Land und seine Men-
schen nicht alles erreicht nach dem letzten großen Krieg und
trotz dieser Vergangenheit – aber wie sehr sind wir nach wie
vor nur mit uns selbst beschäftigt.Müssten von unserem
Land,gerade wegen seiner auch dunklen Erfahrungen,nicht
deutlichere Impulse ausgehen,z.B.im Bereich der Entwik-
klungs- und der Rüstungspolitik?
Ich höre diesen Satz aber auch als befreiende Botschaft für
jede und jeden von uns.»Ich will euch erlösen« – darum geht
es doch,wenn wir in wenigen Wochen die Geburt Jesu feiern.
»Ich will euch erlösen,dass ihr ein Segen sein sollt.Fürchtet
euch nicht und stärkt eure Hände!«  In diesem Satz steckt
eigentlich die ganze Botschaft des Neuen Testamentes:
Uns,die wir uns oft ziemlich ohnmächtig,einflusslos,oft
selbst wenig überzeugend finden – uns sagt Gott,er will uns
von all dem,was uns in unseren Augen und vielleicht auch
wirklich hindert,erlösen,damit wir ein Segen werden.Und ein
Segen ist man immer im Verhältnis und im Zusammenspiel
mit und für andere.
Ich – ein  Segen!  Muss uns bei dieser Verheißung nicht unser
Herz aufblühen,dass alle Sorge und Furcht zurücktreten und
wir frei werden,das Leben,das in Christus zur Welt kommt,zu
lieben,zu leben und zu bewahren?
Ich wünsche Ihnen im Zugehen auf die Weihnacht und dann
im neuen Jahr die Erfahrung dieses Segens.


Herzlich Ihr Pf.Gisbert Mangliers

 

Leitartikel Gemeindebrief Nr. 52


Gott spricht: Ich schenke ihnen ein anderes Herz
und schenke ihnen einen neuen Geist.
Ich nehme das Herz aus Stein aus ihrer Brust
und gebe ihnen ein Herz aus Fleisch.

(Ezechiel 11,19)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Der Monatsspruch für den Oktober 2009 erinnert mich an das
Märchen »Das kalte Herz«.
Vielleicht liegt es lange zurück,dass Sie selbst Märchen gele-
sen oder erzählt haben.Nehmen Sie doch die Märchen von
Wilhelm Hauff wieder einmal zur Hand oder leihen sich diese
aus.Im Märchen »Das kalte Herz« geht es um Ähnliches wie
beim Propheten Ezechiel.Dadurch,dass die Menschen immer
mehr wollen,bleibt das »Herz aus Fleisch« auf der Strecke.Ein
»Herz aus Stein« ist ein kaltes Herz,das weder Ungerechtig-
keit noch Unrecht empfindet.Für die Situation,die dem Eze-
chiel-Wort voranging,heißt das:Gottes geliebtes Volk lebt so,
als gebe es Gott gar nicht.Zwar halten sie sich an Rituale und
Feiertage,aber alles ist längst hohl.Mit Gottes Erbarmen ist es
diesmal vorbei,die Babylonier schleppen das Volk in die Ver-
bannung – weit weg von der Heimat nach Babylon.
Ezechiel wird im Exil zum Propheten berufen.Die Verbannten
warten auf die schnelle Rückkehr nach Jerusalem und glau-
ben auch an die Unzerstörbarkeit ihrer Heiligen Stadt.Eze-
chiel aber sieht den Untergang Jerusalems voraus.Aber er
erfährt auch,dass Gott sein Volk in der Verbannung nicht im
Stich lässt,denn Gott ist nicht an Jerusalem und den Tempel
gebunden.So sieht er in einer Vision,dass die Erzengel im
Allerheiligsten des Tempels zu einem Wagen geworden sind,
auf dem Gott dahinfährt.So kann er auch bei den Verbannten
in Babylon sein.
Immer,wenn politische Systeme zusammenbrechen,geraten
Menschen in Unsicherheiten und Ängste.Wir gedenken im
Herbst ganz intensiv der Ereignisse vor zwanzig Jahren.Viele
Menschen haben sich damals in unseren Kirchen versammelt,
weil sie in den »heiligen Räumen« Zuspruch und Ermutigung
fanden.Sie hatten sozusagen ein »Herz aus Fleisch«,da sie
Ungerechtigkeit und Unrecht beim Namen nannten.Vieles
aber kam mit der sogenannten Wende anders als erwartet
und erhofft.Auch Ezechiels Visionen erfüllen sich nicht in
Details.
Das,was sich bewahrheitet ist,dass Gott mit seinem Volk mit-
geht.Zuspruch und Trost sind für die Menschen wichtig
geblieben,vor ca.2600 Jahren wie vor 20 Jahren und auch
heute für uns.Vieles war und ist in einer neuen gesellschaft-
lichen Situation zu bedenken.Dass wir ein »Herz aus Fleisch«
haben,bleibt wichtig.Dazu gehört,dass wir uns nicht verfüh-
ren lassen,unsere Grundeinstellung zu verraten oder zu ver-
kaufen,sei es für Geld oder für andere Annehmlichkeiten im
Leben.Unser Einsatz für den Frieden,die Bewahrung der
Schöpfung und für die Würde eines jeden Menschen kann uns
auch heute in unseren Entscheidungen leiten und hat nichts
von seiner Aktualität eingebüßt.Gerechtigkeit ist nach wie
vor ein Ziel,für das es sich zu kämpfen lohnt.Nicht immer wis-
sen wir,wie wir dies konkret umsetzen können.Doch wenn
wir vom richtigen Weg abgekommen sind,gibt es die Mög-
lichkeit eines Neubeginns.
Das Volk Israel hört durch den Propheten Ezechiel,dass Gott
einen Neuanfang ermöglicht und sowohl ein anderes Herz
wie einen anderen Geist schenkt.Das »Herz aus Fleisch«
ermöglicht auch eine Neubesinnung im Geist,wenn die Feh-
ler und Irrtümer der Geschichte  in der Entfremdung von Gott
nun korrigiert werden.
Gott geht mit seinem Volk,mit dem Volk des Alten Bundes wie
mit dem Volk des Neuen Bundes,zu dem wir durch die Taufe
gehören dürfen.Nicht nur das Märchen »Das kalte Herz«,auch
die Geschichte Gottes mit den Menschen nimmt ein gutes
Ende,wenn wir uns darauf einlassen,was uns da zugesagt ist.
So wünsche ich Ihnen bei allem Rückblick in die Geschichte
auch das Vertrauen,dass Gott bei uns ist,heute und hier,an
den Orten,wo wir unseren Platz haben und wo wir unsere Ver-
antwortung wahrnehmen können,mit einem »neuen Geist
und einem Herz aus Fleisch«.

Ihre Pfarrerin Uta Fey

 

Leitartikel Gemeindebrief Nr. 51

"Mit allem haben wir gerechnet, nur nicht mit Kerzen."

Liebe Leserin, lieber Leser,

in einem Interview danach befragt, womit denn die DDR-Führung und die Staatssicherheit im Spätsommer und Frühherbst 1989 gerechnet habe, antwortet einer, der es wissen muss, mit diesen Worten:»Mit allem haben wir gerechnet, nur nicht mit Kerzen.«

Wenn wir uns heute – 20 Jahre danach – auf die Gottesdienste und Veranstaltungen im Herbst dieses Jahres vorbereiten, uns versuchen zu erinnern und zu vergegenwärtigen, fragen wir uns immer wieder, wer oder was dieses Wunder der friedlichen Revolution an und in uns und in unserem Volk bewirkt hat. Der Psychologe Bernhard Breuer hat in einer Betrachtung über »Die Macht der Gewohnheit« begründet, warum es oft einfacher erscheint, über die Dunkelheit zu klagen, statt ein Licht anzuzünden. Nämlich: Alte und bekannte Wege bringen zwar manche Unannehmlichkeit mit sich, auf sie ist aber Verlass, sie sind sicherer und man weiß, wo es lang geht.

Er kommt zu dem mir sehr einleuchtenden Schluss:»Erst wer die Dunkelheit als ein Stück Lebensverlust wahrnimmt, wen sie mehr ängstigt als das Wagnis, Licht zu machen, wird diesen Schritt innerer Befreiung gehen.«

Wir alle kennen beide Verhaltensmuster: das Verkriechen in den sicheren Schutzraum und die Klage über manche Dunkelheit im eigenen Leben und in der Welt u n d das Sich-Trauen, ein Licht anzuzünden und sich eben nicht von den vielen Befürchtungen das Leben nehmen zu lassen: von dem Bedürfnis nach Sicherheit, dem Drang nach Anerkennung, der Angst vor Versagen oder vor Nähe.

»Es ist oft hilfreich, (sagt Bernhard Breuer) sich dazu Unterstützung zu holen, einen Menschen, der einen bei diesem Prozess begleitet. Doch anzünden kann man das Licht nur selbst, denn es ist das innere Licht.«

Der Bergprediger Jesus von Nazareth, der im Johannes-Evangelium sagt: »Ich bin das Licht der Welt« (Johannes 8, 12) macht uns zu gleichberechtigten Partnern, wenn er von unserer Bestimmung spricht: Auch » i h r seid das Licht der Welt« (Matthäus 5,14), ihr seid als Lichtgestalten wie die Stadt auf dem Berg, die weit sichtbar in die Dunkelheit hinein leuchtet.

Sein Licht schenkt Erleuchtung, tief in unserem Innern werden wir von Licht erfüllt.»So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.« (Matthäus 5, 16)

Solchermaßen Erleuchtete stellen sich nicht ins Rampenlicht, lassen keine Scheinwerfer auf sich richten, ziehen keine Schau ab. Sie leuchten von Innen heraus, sind Menschen mit »Ausstrahlung «.Jesus von Nazareth hat mit seinem Licht tiefe Spuren in unser Leben gezogen und lässt selbst unsere Welt mit all den menschengemachten Abgründen und Brüchen in einem besseren Licht erscheinen.

Auch heute leben viele Menschen im Dunkeln. Ihre soziale Lage ist düster, auch ihre seelische. In seinem Selbstwertgefühl verletzt fühlt sich, wer in Armut lebt und seine Kinder nicht mal mehr von seiner Hände Arbeit ernähren kann. Wie viele Menschen sind seelisch krank und fallen in Depressionen. Andere packt die Wut, leisten Widerstand oder werden kriminell, schaden anderen und sich selbst.

Das die Dunkelheiten hellmachende und wärmende Licht lockt Menschen aus sich heraus: Diejenigen, die in ein depressives Loch gefallen sind, finden heraus, dass in ihnen nicht nur Leere und Dunkelheiten hausen. Die Einsamen finden heraus aus ihrer Einsamkeit, wenn sie von liebenden Menschen berührt und begleitet werden. Dieses Licht setzt in uns heilende Kräfte frei und macht das Leben wieder spürbar.

»Mit allem haben wir gerechnet, nur nicht mit Kerzen.« Es sind die Menschen gewesen, die gewusst haben wie das geht und wo die Streichhölzer liegen und dass sie sich die Finger verbrennen können.

Menschen, die diesen Schritt innerer Befreiung gegangen sind; in Ängsten und doch frei. Erleuchtete Menschen, die im Schein der Kerzen die vielen leuchtenden Gesichter gesehen und gespürt haben, wir sind nicht allein.

So weiß der Psalmist uns mitzunehmen in die Erkenntnis der Wahrheit: »Gott, bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Licht sehen wir das Licht« (Psalm 36, 10) – Licht, das wir selbst auch sein sollen und können.

Mit herzlichen Grüßen,  Ihr Pf. Heinz-Otto Seidenschnur